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Was ist der Unterschied zwischen einem Multimeter (DMM) und einem zweipoligen Spannungsprüfer?

Diese beiden Produktfamilien haben unterschiedliche Anwendungen und folgen unterschiedlichen Sicherheitsnormen


Multimeter (DMM) und Spannungsprüfer sind elektrische Messgeräte, die nach verschiedenen Produktnormen gebaut sind.

Ein Digitalmultimeter (DMM) ist ein "Multi-Messinstrument" für Spannungs-, Strom-, Widerstands- und andere Messungen und hat normalerweise eine hohe Impedanz bei der Spannungsmessung (10 MΩ).

Normalerweise ist ein DMM batteriebetrieben und zeigt KEINE Spannung an, wenn die Batterie leer ist oder eine andere Funktion gewählt wurde (z. B. Widerstand, Durchgang, Kapazität, Strom).
Es besteht sogar ein hohes Risiko, dass ein DMM auf Strommessung eingestellt wird und einen Kurzschluss mit anschließendem Lichtbogen verursacht!
Auch sind Multimeter und das verwendete Messzubehör nach IEC/EN 61010 (VDE 0411) gebaut und haben eine Begrenzung der Messspitzenlänge <4 mm für Messkategorie CAT III oder CAT IV.

Ein zweipoliger Spannungsprüfer ist ein Gerät zur Prüfung auf " Feststellen der Spannungsfreiheit" nach EN 50110 (VDE 0105-100) und hat typischerweise eine Impedanz unter 1 MΩ, die meisten Produkte sogar unter 100 kΩ.

Die grundlegendste Anforderung an einen Spannungsprüfer ist die Anzeige der Spannung oberhalb der ELV-Grenze (50 V) ohne jegliche Energiequelle, d. h. auch mit leeren Batterien oder ohne Batterien.
Diese Anzeige muss in jeder Funktion, jedem Bereich oder jeder Schalterstellung vorhanden sein, Bereichsschalter sind nicht erlaubt

Ein zweipoliger Spannungsprüfer muss keine digitale Anzeige haben, die meisten dieser Produkte bieten nur ein analoges Balkendiagramm.
Selbst wenn eine digitale Anzeige vorhanden ist, bietet ein Spannungsprüfer möglicherweise nicht die gleiche Auflösung und Genauigkeit wie ein DMM.
Die Hauptaufgabe eines Spannungsprüfers besteht darin, die Spannungsfreiheit unter Einhaltung der 5 Sicherheitsregeln für sicheres Arbeiten nach EN 50110 (VDE 0105-100) anzuzeigen!


Eine Lastprüfung für den Spannungsprüfer ist optional und keine Grundvoraussetzung nach IEC/EN 61243-3 (VDE 0682-401).
Auch die beiden Prüftasten sind keine Grundvoraussetzung und nur erforderlich, wenn der Spannungsprüfer einen Prüfstrom über 3,5 mA hat.
Die Funktion Lastprüfung kann erforderlich sein, wenn der Spannungsprüfer eine hohe Impedanz über 100 k
Ω hat, um eine klare Unterscheidung zwischen Betriebsspannung und Störspannung zu ermöglichen.

Wie sieht es mit den Anforderungen an die Länge der Prüfspitzen aus?
Warum sind zweipolige Spannungsprüfer nach CAT IV eingestuft und haben eine Prüfspitzenlänge von mehr als 4 mm?

Ein Spannungsprüfer wird nach der Produktnorm IEC/EN 61243-3 (VDE 0682-401) gebaut, die eine Prüfspitzenlänge von max. 19 mm erlaubt, im Gegensatz zu IEC/EN 61010 (VDE 0411).
Das bedeutet, dass ein Spannungsprüfer nach IEC/EN 61243-3 (VDE 0682-401) auch als CAT III oder CAT IV spezifiziert werden kann, auch wenn der metallische Teil der Prüfspitze >4 mm ist.
Hintergrund ist eine sichere Verbindung innerhalb von Steckdosen, Reihenklemmen oder Steckern zur sicheren Anzeige der Spannungsfreiheit.

Die dem Produkt beiliegenden Kunststoffkappen sind für die Anpassung an die CAT IV-Einstufung nicht erforderlich.
Diese Kunststoffkappen sind nur in Großbritannien gemäß der nationalen Vorschrift GS38 erforderlich.